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Bauausführungen in Lehmbauweise

1. Einleitung zum Lehmbau
2. Allgemeines zum Baustoff Lehm
3. Kurzer Abriss aus der historischen Entwicklung
4. Eigenschaften von Lehmputze
5. Der Lehmestrich
6. Kurzbeschreibung der Sanierung eines Lehmhauses
7. Schaden an einem Lehmhauses durch die Sanierung
8. Lehm bei Wasserschäden

1. Einleitung zum Lehmbau


Leider hatte ich bisher nicht die Zeit diesen Betrag inhaltlich vollständig zu gestalten. Als gelernter Betonbauer wohne ich in einem sehr schönen und alten Lehmhaus. Ich mag beide Baustoffe. Jeder Baustoff hat seine Vor- und Nachteile. Bauschaum und Styroporplatten gehören nicht in ein Lehmhaus. Ganz ohne moderne Baustoffe geht es aber der richtige Einsatz moderner Baustoffe verhindert Bauschäden. Begrenzt und zweckmäßig eingesetzt, bringen moderne Baustoffe einige Vorteile. Dazu müssen aber die Baustoffeigenschaften sich gegenseitig ergänzen und die ursprüngliche konstruktive Funktionsfähigkeit darf nicht aufgehoben werden. Früher gab es zum Beispiel kein Wasser im Haus. In Bädern gibt es Spritzwasser und eine höhere Luftfeuchte. Besonders kritisch ist es bei organischen Konstruktionen, wenn diese Feuchte über Fugen nach außen gelangt.
Völlig unzweckmäßig halte ich dagegen, wenn man in einem auf das "modernste getrimmten Stahlskelettbau" aus einer Vielzahl verschiedenster moderner Baustoffe Lehmputz wegen der Ökologie aufträgt. Da ist auch ein Kalkputz vollständig ausreichen. Bei einer aus Glas und Metall bestehenden Innenverkleidung retten 20 m2 Lehmputz auch nichts mehr. Man muss sich für eine Bauweise entscheiden. Für das Styropor umhüllte theoretische Niedrigenergiehaus oder für ein ökologisches Bauen mit historischen Baustoffen, wie Stampflehm und Strohlehm.

2. Allgemeines zum Lehm

Lehm kann zu den ältesten massiven Baumaterialien gezählt werden. In allen höher entwickelten Kulturen wurde Lehm für den Massivbau als Baustoff, als Verputzmaterial und für Fußböden verwendet. In unserem Jahrhundert wurde Lehm nur noch während und nach den Kriegen und Kriegszeiten angewandt. Im trockenen Klima Nordafrikas finden wir bis zu sechs Stockwerken hohe, uralte Bauten.
Die zähe Bindekraft des fetten Lehms beruht auf dem hohen Tonanteil. Das Bindemittel im Lehm ist der Ton, welcher im Wesentlichen ein Gemisch aus mehreren Silikatarten ist und durch Verwitterung - besonders des Feldspates entstand.
Sandiger Lehm mit geringem Tonanteil dagegen klebt nur wenig und wird daher als mager bezeichnet. Lehm hat die Eigenschaft, Schadstoffe zu binden, dies behält er als Baumaterial bei, sei es als Lehmwand oder Lehmboden.
Lehmbaustoffe nehmen nur so viel Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, bis die Feinstkapillaren gefüllt sind (bis maximal 5 %!). Lehm ist daher ein sehr trockener Baustoff. Darauf beruht zum Beispiel seine konservierende Eigenschaft (natürlicher Schutz für Holz, Schilf, ...). Lehm hat die günstige Eigenschaft, besonders schnell die Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen, gut zu speichern und wieder abzugeben, wenn die Raumluft zu trocken ist. Die Luftfeuchtigkeit in den Räumen liegt zwischen 40 bis 50 %. [3]

Es wurde ein System entwickelt, welches Tonnen- und Kuppelgewölbe aus Lehmsteinen erdbebensicher macht. Das Spannsystem wird über Gebäudehüllen und bogenförmige Durchgänge eingesetzt und fängt die horizontal oder vertikal einwirkenden Kräfte bei Erdbeben ab. Eine erste Anwendung dieses Systems erfolgt für ein Wohnhaus in dem stark erdbebengefährdeten Gebiet von San Juan in Argentinien. [4]

3. Kurzer Abriss aus der historischen Entwicklung

Der Lehmbau hat seine Wurzeln in Vorderasien und im Nahen Osten, da er dort als billiger, universeller Baustoff zur Verfügung stand. Die ersten Städte der Menschheit, wie Jericho, wurden aus Lehm errichtet. "Kunstwerke" aus Lehm sind, der Überlieferung nach, der Turm zu Babel (ca. 90 m hoch) sowie die erste Chinesische Mauer.
In Mitteleuropa ist der Lehmbau bereits seit etwa 8000 Jahren bekannt. Etwa 7.500 Jahre vor Chr. wurde Lehm bereits für Ziegel im Hochland von Anatolien an der Sonne getrocknet. Bei den geheimnisvollen, riesigen Kreisgrabenanlagen des niederösterreichischen Weinviertels wurden vor rund 6000 Jahren teilweise größere Mengen an Lehmbaumaterial bewegt, als dies für den Bau der ägyptischen Pyramiden nötig war. Lehm ist ein hervorragendes Grundmaterial für Ziegel, Beispiele dafür sind Gebäude, die vor 5000 Jahren entstanden sind; bemerkenswert ist dabei vor allem, dass mit Keilziegeln Dachgewölbe gebaut wurden.
Im 18. Jahrhundert erließen Maria Theresia und Friedrich der Große gesetzliche Verordnungen zur Förderung des Lehmbaus. Hunderttausende Lehm-Fachwerk- und Lehmziegelhäuser haben sich in Mitteleuropa bis heute, oft unerkannt, erhalten. Hier in Mitteldeutschland gibt es noch viele Lehmhäuser. Hier an unseren Standort an der Bucksdorffstraße sind es noch 4 Wohngebäude.
Durch die Industrialisierung des Bauens verlor der scheinbar minderwertige Baustoff Lehm Ende des 19. Jahrhunderts rasch seine Bedeutung, und damit gingen auch alle Kenntnisse über seine Verarbeitung verloren. In Notzeiten des II. Weltkrieges, zum Beispiel bei Olsztyn, und der Nachkriegszeit zum Beispiel bei Bad Lausick, erinnerte man sich vorübergehend an diese Bauweise. Erst vor etwa 20 Jahren entdeckte das erwachende Umweltbewusstsein den sanften, abfallfreien Baustoff Lehm als baubiologisches Baumaterial wieder. [3]

Früher baute man für Generationen. Heute verlassen die Kinder schon oft mit dem Beginn ihrer Berufsausbildung das elterliche Haus. Dem entsprechend hat sich die Funktion und Nutzungszeit der neuen Wohnhäuser in der Regel auf eine Generation verkürzt. Demgegenüber stehen Lehm beziehungsweise Lehmfachwerkhäuser in ihrem vollen Glanz, erbaut vor vielen Jahrhunderten in Strasbourg, Quedlinburg und vielen anderen Städten und Ortschaften. Bedauerlich sind die oft feststellbaren Sanierungen, wo die Wände durch Gipskartonvorsatzwände verstellt und außen Wärmedämmverbundsysteme geklebt werden. Dadurch werden die eigentlich positiven Eigenschaften der Lehmhäuser gewaltsam unterdrückt. Im Hanauer Land gibt es Ortschaften, die seit Jahrhunderten existieren aber erst vor 10 Jahren gebaut sein dürften. Alle Häuser gleichen sich vom äußeren Erscheinungsbild (gleiche Fenster, Rollladen, Putzstruktur, Dachpfanne usw.). Eigentlich schade, da sich in den Nachbarorten die alten Fachwerkhäuser gut in das Ortsbild einfügen.

Ein Bild mit Staklehmwänden, ein Gebäude in Brandburg/Mecklenburg.

Staklehmwand

Die Verarbeitung des Lehmbaustoffs ist eine interessante und energiearme Bauart, wobei die menschliche Arbeitsleistung unberücksichtigt bleibt. Dabei schneidet gerade der Stoffkreislauf gut ab. Seine Vorteile bestehen darin, dass der Baustoff aus der auszuschachtenden Baugrube gewonnen wird. Der Lehm kann sowohl für die Wände, als auch für den Wandputz, für den Fußboden und für die Decken verwendet werden. Ob nun als Lehmweller-, Stampflehm- oder Lehmsteinbau mit beziehungsweise ohne Stroh oder anderen Beimengungen, es entsteht ein günstiges Raumklima. Dies wird durch die feuchteregulierende und wärmespeichernde Eigenschaft bestimmt.

Im linken Bild ist eine Lehmsteinwand (innen) in Leipzig abgebildet. Im rechten Bild ist ein Bauernhaus in den Karpaten. Diese Gebäudetypen wurden vor etwa 50-60 Jahren errichtet. In diesem Fall war sicherlich die Wetterseite zu stark durchfeuchtet. Die Tragfähigkeit wurde gemindert und der Eckbereich wurde durch Ziegelsteine erneuert.

Bild Lehmsteinwand   Lehmsteinhaus in den Karpaten

In "Der Lehmbau" von Richard Niemeyer werden die alten Technologien dargestellt. Die Materialeigenschaften müssen vor der Verarbeitung gründlich untersucht werden. Den Boden aufgraben und Lehmsteine oder Wände herstellen, geht nicht ohne Weiteres. Erst mit hohem fachlichen Wissen und entsprechende Erfahrungen kann man ein Lehmgebäude fachmännisch errichten. Lehm ist nicht gleich Lehm! Zu fettiger oder magerer Lehm bringen ungünstige Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften. In jüngster Zeit werden durch das Forschungslabor für experimentelles Bauen der Universität Gesamthochschule Kassel Arbeitshinweise für den Lehmbau erarbeitet. Durch die kurzen Hinweistexte und die anschaulichen Darstellungen kann man diese Technologie gut in die Praxis übertragen. Durch zahlreiche Produktanbieter werden Trockenlehmpulver, Lehmsteine und a. angeboten. Sicherlich eine gute Möglichkeit für die Sanierung, jedoch auch teuer.

Man muss immer beachten, dass der Lehmbaustoff nach alten Technologien verarbeitet wird. Diese weichen zum Teil sehr von den heutigen Verarbeitungsmethoden ab. Zu beachten ist auch, dass sich die Ansprüche und die Lebensgewohnheiten in den letzten 30 bis 40 Jahre wesentlich verändert haben. Früher hatte man keinen Wasseranschluss in der Wohnung beziehungsweise später nur in der Küche. Die Gefährdung des Lehmhauses durch Wasserschäden war nicht beziehungsweise höchstens durch ein undichtes Dach gegeben. Wenn man bedenkenlos diese Bauart und den Baustoff mit seinen spezifischen Eigenschaften in die heutige Nutzung einbezieht, so sind Probleme nicht vollständig auszuschließen. Mit dem Einzug der Wasserleitung, dem Bad und die Warmwasserheizung sind zusätzliche Gefährdungsquellen für das Lehmhaus entstanden. Lecktagen, Wasserdampf beim Duschen usw. können Lokal den Lehm anfeuchten. Eine Austrocknung ist sehr aufwendig und kompliziert.

Gerade Strohlehm ist sehr empfänglich für holzzerstörende Pilze. (Siehe Bild)

Stampflehmwand

Im folgenden Bild wird eine Stampflehmwand gezeigt. Hier sind deutlich die einzelnen Schichten zu erkennen, die durch die Schalung entstanden sind.

Schichten bei einer Lehmstampfwand

Durch das hohe Wärmespeichervermögen des Lehmbaus treten allerdings auch andere Probleme auf. So tritt gerade im Fußbodenbereich an ungünstig gelegenen Wandflächen Tauwasser auf. Durch nachträgliche Änderungen der Heizung kann hier Abhilfe getroffen werden. Es werden einfach die Heizungsrohre (ohne Isolierung) für die Heizkörper an den Außenwänden entlang geführt. Damit wird der untere Wandabschnitt ausreichend temperiert. An warmen Tagen kommt es bei der Lüftung zu einem hohen Anstieg der Raumluftfeuchtigkeit, was sich erst nach einigen Tagen normalisiert.

Gerade bei den begutachteten Häusern konnte oft festgestellt werden, dass viele Stiele, Deckenbalken und die Dachkonstruktion im Splintbereich der Kiefer durch den Hausbock geschädigt sind. Die Holz konservierende Eigenschaft des Lehms mit seiner Gleichgewichtsfeuchte von 4,5 %, wie sie in einigen Veröffentlichungen als Argument benannt wird, ist nicht richtig benannt. Ziegelstein hat zum Beispiel eine Gleichgewichtsfeuchte von 1,5 % Volumen und müsste so eine wesentlich bessere konservierende Eigenschaft haben. Ausschlaggebend ist die Luftfeuchtigkeit, wo sich bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 55 bis 60 % eine Gleichgewichtsfeuchtigkeit im Holz von ca. 10-11 % einstellt. Lehm kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen, bis die Feinstkapillaren gefüllt sind (bis maximal 5 %!).[3] Das ist nur der Fall, wenn eine sehr hohle Luftfeuchtigkeit vorliegt. In der Regel liegt diese weit darunter, sodass man mit einer Raumluftfeuchtigkeit von 40 bis 50 % rechnet. Da maximal 5 % Feuchtigkeit aufgenommen wird, zählt der Lehm zu einem trockenen Baustoff und so zu der konservierenden Eigenschaft. Zwischen der Lehmausfachung und der Holzkonstruktion erfolgt ein ständiger Feuchtigkeitsaustausch, sodass bei guter Konstruktionsausführung keine holzzerstörende Pilze und nur bedingt ein Insektenbefall möglich ist. Als Ausfachungsmaterial bei Fachwerkbauten zeigen moderne Baustoffe im Außenwandbereich günstigere Eigenschaften, die in unterschiedlichen Studien, wie auch durch Dr. Künzel vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, dargestellt werden. Neubauten aus Lehm dürften auch daher künftig eine untergeordnete Rolle spielen.

Die noch vor Jahren dargestellten Kostenersparnisse von 25 % galten für einfache Gebäude, wie Ställe. Da heute die Baukosten für den Rohbau bei 50 % liegen, dürften diese Kostenersparnisse wesentlich reduziert sein. Heute wird jeder Quadratmeter Grundstück, dünne Wände und jeder Tag Bauzeitverkürzung als Kostenfaktor bewertet. Die technologisch bedingten langen Bauzeiten wegen der Trocknung und der hohe körperliche Arbeitsaufwand wirken dem entgegen.
Der Neubau eines Lehmhauses ist also ein interessantes "Hobby" und sollte auch so betrachtet werden. (Zu beachten ist jedoch, dass erbrachte Eigenleistungen nicht gleich eine Kostenersparnis sein muss. In der gleichen Zeit kann man auf einem anderen Arbeitsgebiet wesentlich produktiver sein.)

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