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Vom Winde gedreht

Strom aus Windkraft ist umstritten

Auf der notwendigen Suche nach erneuerbaren Energien haben Windräder zur Stromerzeugung Konjunktur. Zu Lande sind die begehrten Standorte mittlerweile gut besetzt, jetzt geht es mit so genannten Offshore-Windparks aufs Meer hinaus. Doch die alternativen Energielieferanten sind ökologisch und ökonomisch nicht unumstritten - egal, ob zu Land oder zu Wasser.

Rund um die Standorte der Windräder zu Land hagelt es reihenweise Kritik von Landschafts- und Tierschützern. Auch der Tourismus soll in den betroffenen Regionen unter den Windparks mit ihren bis zu 160 Meter hohen Rotortürmen zu leiden haben.

Einer Faustformel zu Folge, können Windräder nur rund zehn Prozent an konventioneller Wärmekraftwerksleistung ersetzen. Das bedeutet, wenn herkömmliche Kraftwerke mit einer Leistung von 1.000 Megawatt durch Windkraft ersetzt werden sollen, müssen Windräder mit einer Leistung von insgesamt 10.000 Megawatt errichtet werden.

Nach dem Vorbild Dänemarks, Schwedens und den Niederlanden sollen jetzt in der Nord- und Ostsee großflächige Windparks installiert werden. Damit erhofft man sich langfristig Ruhe an der Naturschützerfront. Zudem versprechen sich die Betreiber eine um rund 40 Prozent höhere Strom-Ausbeute als bei den Windrädern an Land. Doch stehen den 0ffshore-Parks auch wesentlich höhere Investitions- und Wartungskosten gegenüber, die den vermeintlichen Vorteil schnell verpuffen lassen können. Auch schalten Windkrafträder aus Sicherheitsgründen bei Windgeschwindigkeiten über 25 Meter pro Sekunde ab, indem sie die Rotoren auf Durchzug stellen, in diesen Phasen muss die Energielieferung konventionell erfolgen. Die Anlagen an der Nordsee müssen aus Naturschutzgründen im Wattenmeer über 100 Kilometer von der Küste entfernt in 40 Meter tiefem Wasser platziert werden. Sie müssen so konstruiert sein, dass sie heftigen Stürmen, hohen Wellen, Angriffen durch Meersalz und Eisschollen trotzen. Für Wartung und Reparatur ist der teure Einsatz von Hubschrauben und Schiffen erforderlich.

Subventionen wie bei der Kohle

Trotz der in zweifacher Hinsicht fragwürdigen Öko-Bilanz der Windräder werden sie kräftig subventioniert. Im Technik-Teil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war unlängst eine Berechnung nachzulesen, nach der die 14.000 Windräder in Deutschland alleine über den Strompreis mit 1,4 Milliarden Euro pro Jahr subventioniert werden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht demnach vor, dass die Windradbetreiber für ins Netz eingespeisten Strom pro Kilowatt-Stunde (kW/h) derzeit 8,9 Cent gezahlt bekommen. Das Geld kommt vom Stromver-braucher über den lokalen Energieversorger. Der hat nach der FAZ-Rechnung aber noch wei-tere Kosten zu tragen: 1,5 Cent je kW/h wegen Absicherung der unsteten Windkraft durch konventionelle Kraftwerke, 0,7 Cent je kW/h für den komplizierten Betrieb der Stromnetze und 0,2 Cent je kW/h für den Transport des Stroms von der Küste in die Ballungszentren. Macht alles in allem 11,3 Cent pro kW/h, wovon drei Cent für vermiedene Erzeugungskosten in konventionellen Kraftwerken gutgeschrieben werden.

Bei 17 Milliarden kW/h erzeugtem Windstrom in 2002 ergibt sich eine jährliche Förderung von 1,4 Milliarden Euro, was einer Subventionierung jedes Arbeitsplatzes in der Windradbranche mit rund 40.000 Euro entspricht. Der Steinkohlebergbau lässt grüßen.

Weniger Kohlendioxyd

Berechnungen des Strom-Multis EON sollen Aufschluss über die Umweltentlastung durch Windkraft geben. Demnach konnten 2002 rund 9,5 Millionen Tonnen Kohlendioxyd durch den Betrieb der Windräder in Deutschland vermieden werden. 19 Millionen Tonnen könnten es sein, wenn EU-weit alle Kohlekraftwerke ihren Wirkungsgrad um nur ein Prozent verbessern würden.  AS

Quelle: Der Steuerzahler Mai 2003 S. 93


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