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    Archive for Januar, 2007

    Leserbrief an Aufbau

    Posted by Rauch on 22nd Januar 2007


    Das Jüdische Monatsmagazin, CH-8027 Zürich redaktion@aufbauonline.com vom 5.12.2006

    Von Dr. phil. Wolfgang Thüne

    Sehr geehrte Herren Kugelmann und Mink,im Rahmen eines dienstlichen Umlaufs landete das September-Heft, das der „Klima-Krise“ gewidmet war, auf meinem Schreibtisch. Nach aufmerksamer Lektüre der Artikel bin ich derart entsetzt, sowohl als Meteorologe als auch Soziologe, dass ich nicht schweigen kann.

    Ist das eigenständige Denken schon soweit degeneriert und ausgestorben, dass Niemand auch nur ansatzweise fragt, wo das Wort „Klima“ herkommt, was es bedeutet und in welch kontroversen Bedeutungszusammenhängen es gebraucht wird? Hat es Sie beide nicht stutzig gemacht, dass alle „diese Umweltaktivisten vielfältig miteinander verbunden sind“?

    Wenn Michael Oppenheimer die Rolle des Menschen mit „einem Schwachsinnigen am Steuer eines Autos“ vergleicht, dann ist dies nicht Ausfluss hohen analytischen Sachverstandes, sondern Ausdruck ideologischer Borniertheit. Nichts hat dieser „Umweltaktivist“ begriffen, sonst wüsste er, dass es „Klima“ als Naturvorgang gar nicht gibt, weder lokal, noch weniger regional und schon erst recht nicht als Globalklima. Wer zugibt, von dem „Treibhauseffekt“ nur „gehört“, aber nicht wissenschaftlich durchdacht zu haben und zudem in der „oberen Stratosphäre“ auf das „Phänomen des sauren Regens aufmerksam“ wird, der sollte etwas zurückhaltender sein mit der Aussage „ich bin Akademiker“.

    Ob man die Klimadefinitionen und Klimaklassifikationen von J. Hann (1906), W. Köppen (1923), B. P. Alissov u. a. (1956), J. Blüthgen (1964) oder der WMO in Genf nimmt, immer wird „Klima“ als das „mittlere Wettergeschehen“ an einem Ort über eine bestimmte Zeit von 30 Jahren bezeichnet. Jedem „Klima“ liegt Wetter zugrunde und ohne kontinuierliche und sorgfältige Beobachtung und die Messung von Wetterdaten lassen sich keine Klimadaten berechnen. Die Welt zeichnet sich aus durch eine Diversität an Klimaten, die sich herleitet aus einer unendlichen Fülle unterschiedlichen Wetters. Das „Klima“ ist nichts als ein statistisches Konstrukt, ein statisches Abbild des stets unbeständigen und veränderlichen Wetters. Ob „Aleutentief“ oder „Azorenhoch“, es sind nichts als statistische Scheingebilde, die für einen synoptischen Meteorologen völlig ohne Wert sind..

    Wenn Claudia Roth feststellt „Es ist Hybris zu glauben, alles sei beherrschbar“, dann hat sie ausnahmsweise Recht. Das Wetter ist nicht beherrschbar! Aber ihr logisches Denkvermögen reicht nicht aus, um daraus auch die Unbeherrschbarkeit des Klimas abzuleiten. Wenn sich „Klima“ verändert, dann nur passiv als Folge von vorangegangenen Veränderungen im chaotischen Wetterablauf. Jedem Klimawandel geht ein vom Menschen nicht beeinflussbarer Wetterwandel voraus. Das Wetter ist der aktive Part, das „Klima“ ein statistisch geglättetes, ein gleitendes Mittel, das vergangene Wetteränderungen nachzeichnet, aber nicht erklärt. Es gibt keine „Klimakrise“, sondern eine Krise der menschlichen Vernunft, wie der „visionäre Ausblick“ von I. Asimov aus dem Jahre 1971 deutlich demonstriert. Die Hybris von Petra Roth, Al Gore wie auch der „Religiösen Partnerschaft“ liegt darin zu meinen, der Mensch könne den „Klimawandel“ stoppen, während er ohnmächtig zusehen muss, wie täglich das Wetter mit dem Menschen „Katz und Maus“ spielt. Seit „Adam und Eva“ passt sich der Mensch dem Wetter an, erfolgreich! Der Begriff „Wetterschutz“ heißt daher „Schutz vor dem Wetter“ und nicht „Schutz des Wetters“!

    „Klimaschutz“ hat mit der „Bewahrung der Natur“ nichts zu tun, ist kein „Schöpfungsschutz“. Gott hat „Himmel und Erde“ erschaffen, aber Adam nur befohlen, „sich die Erde untertan zu machen“ und den „Garten Eden“ zu hegen und zu pflegen. Die Atmosphäre gehört zum Himmel, hier herrschen die „Wettergötter“. Und das ist auch gut so, nicht nur, um die seit Urzeiten eintretenden Wetterkatastrophen“ als Strafe der „Wettergötter“ für seine Sünden zu empfinden wie Besserung zu geloben, sondern auch, um sich immer wieder, trotz des Dranges zum Größen- und Machbarkeitswahn, der Ohnmacht gegenüber dem Wetter bewusst zu werden. Wehe, dem Menschen gelänge es, sich das Wetter untertan zu machen!

    Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore mag ein guter Demagoge sein, ein guter Physiker ist er nicht! In jedem Lehrbuch könnte er nachlesen, dass frisch gefallener Schnee optisch zwar extrem weiß ist, aber im Infrarotbereich der „schwärzeste Körper“ auf Erden ist. Schnee und Eis wirken nicht wie „ein gewaltiger Spiegel“, nein, sie schmelzen „wie Butter in der Sonne“, weil sie die unsichtbare Infrarot- oder Wärmestrahlung extrem gut absorbieren. Wenn all das Geld, das in die „Klimaforschung“ wie die „Klima-Wahrsagerei“ gesteckt wird, nur in die Verbesserung der Wetteranalysen wie der Wetterprognosen gesteckt würde, das wäre eine wahrhafte „Investition in die Zukunft“.

    Wie das Wetter zu den irreversiblen Naturvorgängen gehört, so ist auch das Heft „Die Klima-Krise“ nicht mehr ungeschehen zu machen. Es wäre aber zu wünschen, wenn ein Heft konzipiert würde, in dem die Maßstäbe wieder zurechtgerückt würden, denn nichts ist schlimmer für die Menschheit wie die Demokratien als besserwisserische Ideologen, die bedingungslos von der Hybris getrieben sind: „Und jetzt werden wir unseren Planeten retten.“

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Wolfgang Thüne

    Nachrichtlich: JNF e.V., Redaktion Neuland (duesseldorf@jnf-kkl.de) Israelische Botschaft, Gesandter Ilan Mor (minister@berlin.mfa.gov.il) Deutsch-Isrealische Gesellschaft, Präsident Dr. h. c. Johannes Gerster (j.gerster@gmx.de)


    2007-01-22Name: Dr. phil. Wolfgang Thüne
    Beruf: Diplom Meteorologe
    E-Mail: Wolfgang@thuene.com
    Anschrift: 55276 Oppenheim, Bädergasse 67
    Dieser Beitrag darf nur Mitzustimmung des Autors verändert werden.

    Posted in Energie- und Umweltpolitik | Kommentare deaktiviert für Leserbrief an Aufbau

    Malaria, wieder im Kommen

    Posted by Rauch on 17th Januar 2007

    An Malaria, einer Plage, die vor allem Entwicklungsländer befällt, sterben nach Berichten der Welt Gesundheit Organisation WHO jährlich etwa 2,7 Millionen Menschen  sinnlos. Die meisten Opfer sind Kinder unter 5 Jahren und schwangere Frauen. In der Zeit, die es dauert, nur den Namen der Krankheit auszusprechen, haben sich 10 Kinder angesteckt und beginnen um ihr Leben zu kämpfen. 500 Millionen Menschen erkranken jährlich – der WHO zufolge. Sie können nicht arbeiten und werden auf lange Jahre zum Pflegefall. Neben der menschlichen ist das auch eine wirtschaftliche Katastrophe und eine der Bedingungen von Unterentwicklung.

    Der Siegeszug

    Dabei glaubte man in den frühen sechziger Jahren, die Krankheit im Griff und bald überwunden zu haben. Man hatte seit dem zweiten Weltkrieg in DDT ein wirksames und für Säugetiere und Menschen völlig unschädliches Mittel gegen das Ungeziefer gefunden, das die Krankheit überträgt. (1) DDT bewahrte die Europäer der Nachkriegszeit vor den Seuchen, die üblicherweise einem Krieg folgen, und machte weite tropische Gebiete, die wegen der Seuche nicht ohne sichere Ansteckung betreten werden konnten, für Menschen wieder zugänglich. An DDT erkrankt ist bisher noch niemand.

    DDT ließ sich leicht herstellen, war billig und sehr wirksam. Wenn man die Häuser damit aussprühte, gingen die Schädlinge nicht nur zugrunde, sondern sie mieden das Haus künftig auf lange Zeit. Das gilt sogar für DDT-resistente Schädlinge, wie sich am Beispiel Mexiko zeigte.(2) DDT rettete Millionen das Leben und drängte die Krankheit weitgehend zurück.(3) Gab es in Italien 1945 noch jährlich noch 411602 Malariafälle, so waren es 1968 nur noch 37, und die waren eingeschleppt. Auch in tropischen Entwicklungsländern kam man der Ausrottung der Krankheit sehr nahe. In Ceylon zählte man 1946 2.8 Millionen Malariafälle und 1963 nur noch 17. In den von Malaria verseuchten Gebieten Europas, den USA, der Sowjet Union, Chinas, Japans, Australiens Israels und Zyperns wurde die Krankheit tatsächlich völlig ausgerottet.

    Das hatte weitreichende Folgen, wie sich am Beispiel Ceylon besonders gut darstellen läßt. Die Kindersterblichkeit sank von 141 Todesfälle pro 1000 Geburten bis 1963 auf 87 Todesfälle. Im Vergleich zu vorher starben nur noch ein Drittel der Frauen im Kindbett und die durchschnittliche Sterberate der Bevölkerung halbierte sich. 400 Quadratkilometer gutes höchstfruchtbares Ackerland, das wegen der Seuche bisher unzugänglich war, konnte wieder unter den Pflug gewonnen werden.(4)

    Ähnliche Erfolge wurden auch bei anderen Seuchen erzielt, deren Erreger durch Insekten vor allem in Entwicklungsländern übertragen werden. Dazu gehört das Gelbfieber, an dem einmal fast der Bau des Panama-Kanals gescheitert wäre, die Schlafkrankheit, die Onchozerkiasis, die zur Erblindung führt, die Pest, so weit sie durch die Flöhe der Ratten übertragen wird, und einige weitere, die nicht so allgemein bekannt sind. Daß ein enger Zusammenhang zwischen der Wiederausbreitung von Malaria und dem Besprühen der Häuser von innen mit DDT besteht, läßt sich angesichts des überwältigenden Zahlenmaterials nicht mehr leugnen.(5)

    Die WHO faßte in ihrem offiziellen Mitteilungsblatt Nr. 190 aus dem Jahr 1971 die Erfolge mit DDT wie folgt zusammen: Die Verbesserung der Gesundheitssituation durch die Antimalaria-Kampagne hat in vielen Gegenden der Welt den fatalen Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit durchbrochen, in dem sie Tod und Arbeitsunfähigkeit durch Malaria beseitigte und die hohen Sozialkosten für die Krankenbehandlung senkte. Die Kampagne hat geholfen, die Reiserzeugung zum Beispiel in den Philippinen, auf Thailand und in Venezuela zu steigern, indem sie das Arbeitsergebnis pro Arbeitskraft verbesserte. Sie erlaubte viele unberührte Gebiete für die landwirtschaftliche Nutzung zu erschließen, wie das Gebiet von Terai in Indien, in Nepal und im Inneren Taiwans und hat den Ertragswert des Landes dort verbessert, wo zuvor nur Subsistenzwirtschaft betrieben wurde, wie in Kunduz in Afghanistan, in Cham in Kambodscha oder in Mindanao auf den Philippinen.“

    Abb 1: Standartisierter jährlicher Index für Parasiten und Krankheitsüberträger (IPAs) und Sprühaktionen in Häusern für 21 Lateinamerikanische Länder von 1959 bis 1995. Die Pfeile an der x-Achse bedeuten politische Änderungen im Vorgehen gegen Malaria an. Weißen Kreise zeigen Maßnahmen gegen Malaria durch Sprühen in den Häusern, vorwiegend DDT. Die schwarzen Punkte den Anstieg der Malaria. (Quelle D.R. Roberts, et al., 1997,  DDT, global Strategies and a malaria control crisis in South America Emerg Inf Dis. 3, S. 295f)

    Abb 2: Anstieg des jährlichen Parasiten und Überträger Index (IPA) zwischen 1993 und 1995 in Ländern Süd Amerikas, nach der Art ihres DDT Einsatzes (Quelle ebenfalls Roberts, et al., 1997)

    Das Malaria-Wunder an der „Marne“

    Aber mitten in den Anstrengungen, die Krankheit restlos und auch in Afrika, in der Karibik und den restlichen Stellen der Welt, wo dies noch nicht gelungen war, niederzuringen, wurde die Kampagne plötzlich abgebrochen. Damals ist nicht etwa das Geld für die Kampagne ausgegangen. Es gab andere Überlegungen und bei ihnen stand DDT im Mittelpunkt der Diskussion. Inzwischen ist die Krankheit nicht nur wieder auf dem Vormarsch, sie ist  wie die erwähnten, jüngsten Zahlen der WHO zeigen  wieder stärker verbreitet als sie es je war und erobert sich die aufgegebenen Landstriche in Amerika und Eurasien zurück.

    DDT, ein Mittel der Firma Ciba Geigy wurde zuerst im zweiten Weltkrieg eingesetzt. Nach Aussagen von General Lord Mountbatten, habe ihm diese Chemikalie allein in Nordafrika eine Dreiviertelmillion Ausfälle erspart. Im Krieg Menschenleben zu retten ist etwas anderes, als dies zu Friedenszeiten zu versuchen. Alexander King war lange Zeit Wissenschaftsdirektor der OECD und einer der höchsten Funktionäre im politischen Führungsstab der NATO. Er bekannte in seinem autobiographischen Werk „Die Disziplin der Neugier“, das 1990 auf englisch bei Elsevier erschienen ist, freimütig, er sei es gewesen, der die Englische Regierung zu Beginn des Krieges auf die Schweizer Erfindung aufmerksam gemacht habe, die sich während des Krieges so hervorragend bewährt hat Er fährt dann fort: Bei mir meldeten sich erst Zweifel an, als man DDT auch im zivilen Leben einzusetzen begann. In Guayana gelang es damit, in nur fast 2 Jahren die Malaria restlos auszurotten. In der gleichen Zeitverdoppelte sich dort die Geburtenzahl. Was konnte daran zweifelhaft sein? Lesen wir bei King weiter: „Rückblickend werfe ich hauptsächlich DDT vor, daß es einen großen Beitrag zum Übervölkerungsproblem geleistet hat.“ (6)

    Er war festentschlossen, diesen Beitrag rückgängig zu machen, in dem er DDT unmöglich machte. Wie? Das sagt er wenige Seiten weiter im gleichen Buch: Wir leben in einer Übergangsperiode. Umweltschutz bleibt nicht den Grünen vorbehalten. Umweltschutz wurde zum wichtigsten Hebel der Wirtschafts-, Industrie- und Agrarpolitik. Wir denken hier nicht darüber nach, welche „Neue Weltordnung“ Alexander King und seinen Mitplanern vorschwebte, sondern nur, wie er und die Clique, für die er tätig ist, den Umweltschutz als Hebel zu nutzen verstand.

    Just in dem Jahr als die Patente für DDT ausgelaufen waren und jeder, der es wollte, das Insektenmittel selbst herstellen konnte, erschien in den USA ein Buch. Die an Krebs erkrankte Beamtin im US Bundesamt für Fischereiwesen und hoch gefeierte Sachbuchautorin Rachel Louise Carson schrieb kurz vor ihrem Tod das Buch „der Stille Frühling“(7). In ihr trug sie leidenschaftlich anklagend alles vor, was später gegen Pestizide im allgemeinen und DDT im besonderen vorgebracht wurde. Daß die Fachwelt damals die abenteuerlichen Behauptungen des Buches bald zu zerreißen begann, kümmerten weder die Medien noch die US Regierung. Präsident Kennedys Wissenschaftsberater J.B. Wiesner läutete die Kampagne gegen DDT offiziell ein. Vielleicht tat er es, um damit vom nuklearen „Fallout“ der Atomtests abzulenken, die damals gerade die Gemüter nicht nur von Ostermarschierern erregten. Mit der Kampagne gegen DDT wurde die friedensbewegte Bewegung gegen Atomwaffen in die Umweltbewegung umgemünzt und zahlreiche Umweltbewegungen und Gruppen mit höchst zweifelhaften Geldquellen ins Leben gerufen.

    Der Höhepunkt der Kampagne gegen DDT bildete die Anhörung der US-Regierung ab August 1971. An 80 Verhandlungstagen kamen 125 Wissenschaftler zu Wort und wurden 9000 Seiten Dokumente vorgelegt. In der leidenschaftlich geführten Auseinandersetzung wurden DDT-bekämpfende „Wissenschaftlern“ der unglaublichsten Betrügereien überführt. Ein Beispiel statt unzähliger anderer mag genügen: C.F. Wurster, Dr. G. Woodwell und P.A. Isaacson hatten umfassendes Zahlenmaterial über die Auswirkungen von DDT vorgelegt. Danach wäre die gesamte DDT-Produktion in die Umwelt gelangt und bliebe dort über Jahrzehnte vernichtend wirksam. Im Kreuzverhör mußten die „Experten“ eingestehen, daß sie die Ausgangsproben für ihre Hochrechnungen nicht „der Natur“ sondern den Stellen entnommen hatten, an denen die Kesselwagen einer DDT-Sprühaktion gereinigt worden waren. Natürlich stießen sie hier auf hohe Anreicherungsraten, die aber schon wenige Meter daneben, ganz anders ausgefallen wären.(8)

    Der Leiter der Anhörung, Edmund Sweeny kam daher nicht umhin das Ergebnis der Anhörung wie folgt zusammen zufassen: „DDT hat, wenn es sachgemäß angewendet wird, keine schädigende Wirkung auf Süßwasserfische, Lebewesen im Brackwasser, wildlebende Vögel oder andere freilebende Lebewesen. DDT hat keine krebserregende Wirkung auf Menschen, es ist für Menschen nicht mutagen oder teratogen…“ Obwohl diese Erkenntnisse durch eine schier unermeßliche Zahl von wissenschaftlichen Untersuchungen, die damals schon vorlagen und seitdem noch vermehrt worden sind, vielfältig bestätigt wird, hält sich in den Medien, in der Politik und in den Köpfen der mediensüchtigen Bevölkerung die Meinung von der Gefährlichkeit des DDT. Woher rührt die beharrliche Desinformation?

    Ihren Grund macht William Ruckelshaus deutlich, der sich als Leiter der zuständigen Behörde EPA, also dem Amerikanischen Umweltministerium, welche die Anhörungen anberaumt hatte, über die Ergebnisse der Anhörung einfach hinweggesetzt und sich nicht gescheut hat, dafür „politische Gründe“ anzuführen. Er diktierte die seither ständig und überall in ermüdender Monotonie nacherzählte Lesart DDT wirkt auf viele nützliche Lebewesen tödlich. DDT ist für Fische giftig und kann ihre Vermehrung einschränken. DDT kann die Verdünnung von Vogeleiern bewirken und ihre Vermehrung beeinträchtigen. DDT ist für Menschen ein starker Krebserreger und so weiter. (9) Nur ein Jahr zuvor hatte er in einem anderen Amt, nämlich als Justitiar der US-Landwirtschaftsministerium, steif und fest das Gegenteil behauptet unter anderem auch „Die Vorwürfe, DDT sei krebserregend, sind unbewiesene Spekulationen. (10) Auf den Gesinnungswandel und die ganz anderen Ergebnisse der Anhörung angesprochen, ließ er veröffentlichen Letztendlich handelt es sich um eine politische Entscheidung“. Die Gesundheitsministerin in der Regierung Brandt (SPD), Frau Käthe Strobel (SPD) sorgte dafür, daß Deutschland sich dieser „politischen Entscheidung“ anschloß. Ihrem Antrag folgte der Deutsche Bundestag ohne eine Widerrede in seltener Einstimmigkeit. (11)

    Alternativen?

    Um die Kampagne gegen DDT richtig zu verstehen, muß man sich klar machen, daß es für DDT bisher kaum Ersatz gibt. Der World Wide Fund for Nature, der sich an die Spitze der Kampagne gegen DDT gestellt hat, will DDT ersetzt sehen und spricht in diesem Zusammenhang gerne von Umweltmanagement und biologischer Kontrolle. (12) Er verweist dabei gerne auf Erfahrungen in Indien, Tansania, Mexiko und die Philippinen. Aber keines der genannten Beispiele ist ein Erfolg. In Tansania ist man schließlich  und das mußte der WWF schließlich selbst empfehlen – auf das ebenfalls synthetisch erzeugte Pyrethroid verfallen und hat es u.a. gegen Bettwanzen eingesetzt. Auch dies nur mit mäßigem Erfolg.

    Das wenig wirksame Pyrethroid aber auch andere Organophosphate (Weiterentwicklungen aus dem Nervenkampfgas des 2. Weltkrieg) sind sechs Mal teuerer als DDT. Die Kosten für das Aussprühen der Häuser von innen stiegen in den Gebieten größter Malaria Gefahr von O,5 auf 5 Dollar je Hütte.(13) Am hohen Kostenanstieg sind neben den Kosten der Mittel auch der erforderliche größere Aufwand bei der Vorbereitung und die häufiger nötige Wiederholung schuld. Nutznießer sind zwar auch die chemische Industrie, weil sie teurere Schutzmittel verkauft, und die Pharmaindustrie wegen des mit der Krankenzahl ansteigenden Medikamentenbedarfs. Aber es ist nicht anzunehmen, dass hier der Grund für das angestrebte DDT Verbot liegt, zumal befürchtet werden kann, daß auch die übrigen Mittel zur Schädlingsbekämpfung verboten werden sollen.(14)

    Belize hatte unter Druck der USA, den Einsatz von DDT aufgegeben. „Sie hörten damit Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre auf und Malaria geriet sogleich außer Kontrolle. Der Höhepunkt war 1994 erreicht. 1995 begannen sie wieder DDT einzusetzen und konnten die Erkrankungen in drei Jahren hinter einander deutlich senken“ sagte Don Roberts von den Universitätskliniken Bethesda in Maryland. Ähnliches berichtet Chris Curtis von der London School of Hygiene und Tropenmedizin aus Madagaskar. Auch dort war man reumütig zu DDT als letztem Hilfsmittel zurückgekehrt, weil alles andere versagt hatte. In Südamerika war Malaria weitgehend endemisch. Dort hatte sich nur Mexiko und Equador der Aufforderung widersetzt, DDT einzusetzen. Mexiko gab 1995 dem Druck der North Amercan Commission for Environmental Cooperation nach und beendete den erfolgreichen DDT Einsatz. (Ob dem auch Equador nach den jüngsten Unruhen gefolgt ist, konnte ich nicht feststellen). In Venezuela, war die Krankheit schon in den fünfziger Jahren überwunden, man hatte dort eher dem Druck nachgegeben und schon ist die Krankheit wieder so verbreitet wie früher, das konnte der massive Einsatz von Pyrethroid nicht verhindern. Wie Abb1 zeigt, läßt sich nicht leugnen, daß ein enger Zusammenhang zwischen dem Sprühen der Häusern mit DDT und der Ausbreitung von Malaria besteht.

    „Wir alle sorgen uns um die Umwelt, aber Umweltprobleme müssen mit Sinn für Ausgewogenheit angegangen werden“, mahnte Professor Don Roberts von der Universitätsklinik Bethesda in Maryland USA im Hinblick auf das DDT-Verbot. Auf die Frage, ob man bis zum Jahr 2007 gleichwertige Alternativen gegen die Ausbreitung der Malaria bekommen kann, sagte Professor Roberts emphatisch „absolutly not!“

    Politische Entscheidung

    Nun fragt es sich, was für eine „politische Entscheidung“ der damalige US-Umweltminister eigentlich gemeint hatte. Natürlich wollte er sich dazu nicht näher äußern. Wahrscheinlich scheute er diplomatische Folgen, die das gehabt hätte. Aufschlüsse gibt ein Dokument, daß am 6. Juni 1990 unauffällig aus dem höchsten Grad der Geheimhaltung entlassen wurde. Es wurde in der Zeit, als die Anhörung statt fanden in zahlreichen unterschiedlichen Vorlagen diskutiert und als National Security Decision Memorandum 341 am 10. 12. 1974 offizielles Regierungsdokument und bestimmte schließlich als Natioanl Security Study Memorandum 200 die Außenpolitik der USA gegenüber den Entwicklungsländern.(15)

    In dem Papier heißt es unverhohlen, daß das Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern die Sicherheitsinteressen der USA gefährde, weil diese Länder wegen des Bevölkerungswachstums ihre Rohstoffe für sich selbst beanspruchen würden und nicht den USA überließen, die sie zu ihrer nationalen Sicherung benötigten. Das Papier erkennt, daß sich das Problem direkt nur durch „drakonische Maßnahmen“ lösen ließe, was aber am „nationalen Stolz“ der betroffenen Länder scheitern müßte und dann auf der UN Bevölkerungskonferenz in Bukarest 1974 auch gescheitert ist. Statt dessen empfiehlt das Memorandum einen Maßnahmenkatalog, in dem Umweltschutz, die Bearbeitung ausgesuchter Politiker und Vereinbarungen der Vereinten Nationen eine entscheidende Rolle spielen. Schließlich sollten Nahrungs- und Entwicklungshilfe an bevölkerungspolitisches Wohlverhalten geknüpft werden. Henry Kissinger, ein verantwortlicher Mitverfasser sprach von der „food weapon“, der Nahrungsmittelwaffe.

    Das DDT-Verbot

    Seit 1998 betreibt die United Nations Environment Programme (UNEP) nicht zuletzt auf Druck mächtiger Umweltorganisationen in den Industrienationen wie dem World Wildlife Fund WWF das weltweite und entgültige Verbot von DDT und anderer dauerhafter organischer Verbindungen (sogenannter POPs). Sogenannte Entwicklungshilfeorganisationen wie die US Agency for International Development (USAID) unterstützen sie dabei, in dem sie Ländern, die weiterhin DDT einsetzen wollen, die Entwicklungshilfe aufkündigen. Andere Länder folgen dem Beispiel brav. Wie ist das einzuschätzen?

    Zeitgleich mit der speziellen Kampagne gegen DDT setzte weltweit die breite Umweltbewegung ein. In sie mündeten frühere antikapitalistische Bewegungen, die sich mühelos in antiindustrielle Bewegungen umkrempeln ließen, um sich dann auf den langen Marsch zur rot-grüner Machtergreifung zu begeben. Auf diesem Marsch wurden zahlreiche Umweltthemen aufgegriffen. Das Thema Überbevölkerung und das DDT-Thema spielte dabei bis heute beharrlich eine zentrale Rolle.

    Während die WHO sich bis 1979 uneingeschränkt für den Einsatz von DDT ausgesprochen hatte, fuhr sie ihr Engagement seitdem zurück. Vor allem betont die WHO die wichtigste Vorsorgemaßnahme immer weniger, das Besprühen der Häuser von innen mit DDT. (16) Dafür will sie nun mehr Wert auf Primary Health Care (PHC), also auf Gesundheitsvorsorge und weniger auf die Bekämpfung der Krankheitsüberträger legen. (17) Es zeigte sich aber sehr bald, daß die Wirkung dieser Gesundheitsvorsorge wenig bringt. In Dörfern ohne diese Maßnahmen stecken sich nachweislich nicht weniger Kinder an Malaria an, als dort, wo die neuen WHO Maßnahmen durchgeführt werden.(18)

    Hinzukommt ein wirtschaftlicher Aspekt. Bei 500 Millionen Neuerkrankungen im Jahr, lähmt Malaria nicht nur mögliche Arbeitskräfte, sie macht sie auf lange Zeit zu Pflegefällen. Wo die Patienten überleben ist ihre Arbeitsleistung zeitlebens geschwächt. Für Südafrika hat Richard Tren in einer sehr detaillierten Studie nachgewiesen(19), daß sich der wirtschaftlichen Verlust des Landes allein durch Malaria auf 4 % des Bruttosozialprodukts beläuft. In Südafrika sind nur zwei relativ wenig bevölkerte Provinzen, die Nordprovinz und Mpumalanga stärker von Malaria befallen. In 50 bis 60 % des Landes spielt Malaria keine Rolle. Wenn hier die wirtschaftlichen Auswirkungen schon so stark sind, wie sind sie dann erst in Botswana, Zimbabwe oder anderswo.

    Wer sich über den Sinn eines Weltweiten DDT Verbotes Gedanken macht, sollte folgende Punkte nicht aus dem Auge lassen.

    1. DDT ist ein relativ harmloses Insektengift auf Chlorbasis. Es ist preiswert herzustellen, sehr wirksam und wirkt nachhaltig. Unter Einwirkung von natürlichem UV-Licht wird DDT zersetzt. Im Körperfett der Säugetiere und Menschen kann es sich bis zu einem gewissen Schwellwert anreichern und wird dann relativ rasch abgebaut.
    2. Die gebetsmühlenartig vorgetragenen Behauptungen über die Gefährlichkeit von DDT sind längst ausgiebig und sehr gewissenhaft widerlegt worden. Die verordnete Weltöffentlichkeit scheint davon nicht Notiz nehmen zu wollen. Die Medien stellen das Verbot vielmehr als längst überfällige Maßnahmen ohne weitere Folgen dar.
    3. Es gibt keinen gleichwertigen Ersatz für diese Mittel, um der gefährlichen Ausbreitung von Seuchen, die durch Ungeziefer übertragen werden, zu begegnen. Die Mittel, die als Ersatz angegeben werden, sind zu teuer, zu wenig wirksam und vor allem im Vergleich zu DDT eine weit größere Umweltbelastung.
    4. Wo Entwicklungsländer dem Druck des Westens, von Ländern also, die nicht von Malaria bedroht sind, nachgegeben haben und DDT nicht mehr oder kaum noch einsetzen, steigt die Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle sprunghaft an.
    5. Malariaerkrankungen lähmen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Einzelnen aber auch von Nationen deutlich und nachhaltig. Malaria trägt wesentlich zur Unterentwicklung sogenannter Entwicklungsländer bei.

    Und doch will die sogenannte Völkergemeinschaft, UNO, DDT bis zum Jahr 2007 unter Androhung von Sanktionen entgültig verbieten. Millionen Menschen werden sinnlos erkranken und sterben. Um was für eine „Völkergemeinschaft“ handelt es sich hierbei?

    ____________

    Quellen:

      1. DDT kann sehr unterschiedlich betrachtet werden. Vgl. J. Taverne, 1999, DDT to ban or not to ban? Parasitology Today 15 (5) S. 180f. Die World Health Organisation war sich bis 1993 absolut sicher, daß DDT für Menschen sicher und die Umwelt harmlos sei. WHO Malaria Unit, 1994, Use of DDT in vector control. Conclusions of study group on vector control for malaria and other mosquito borne disease. 16. Nov. 1993 Med Vet Entomol 8 S. 113
    • Statt halbjährlich die Zimmerwände innen mit DDT zu besprühen würde es sogar genügen dies jährlich oder gar alle zwei Jahre zu tun. Siehe DR Roberts, WD Alecrim, 1991, Behavioral response of Anopheles darlingi to DDT-sprayed house walls in Amazonia. Bull. Pan Am. Health Org. 25, S. 210
    • Nach zurückhaltenden Schätzungen konnte man mit DDT 32 % der Weltbevölkerung über die letzten 40 Jahre von dem Malariarisiko befreien und Hunderte von Millionen Menschenleben retten. AWA Brwon, J Haworth, AR Zahar, 1976, Malaria eradication and control from a global standpoint. J. Med. Entomol. 13, S. 1, WHO, 1984, Chemical methods for the control of anthropod vectors and pests of public health importance Genf.
    • H Böttiger, 1993, Die DDT-Story, Fusion14 (2) S.9ff, Dort auch mehr Belege.
    • DR Roberts, LL Laughlin, P Hsheih, LJ Legters, 1997,  DDT, global Strategies and a malaria control crisis in South America, Emerg Inf Dis. 3, S. 295f
    • J. Mouchet, S. Laventure, S. Blanchy, R. et al., 1997, La reconquete des Hautes-Terres de Madagascar par le Paludisme, Bull Soc. Pathol. Exot. 90 S. 162ff
    • Pan American Health Organisation, 1997, Status of malaria programmes in the Americas. XLV Report PAHO, Washington DC. Desgleichen Report XII von 1994, Report XL von 1991
    • J.Groen, E Smit, J Eijsvoogel (Hrsg.) 1990, Alexander King, The Discipline of Curiosity, Science in the World, Amsterdam Elsevier, S. 42f
    • R Carson, 1963, Der Stumme Frühling, CH Beck München, Eine der vielen Kritiken an dem Buch: JG Edwards, 1992, The Lies of Rachel Carson, 21. Century, Science & Technology 5, S. 41ff.
    • Environmental Protection Agency, 1972, Consolidated DDT Hearings, Testimony GM Woodwell, Washington DC,S 7232f Hernach gefragt, ob er denn seine konstruierte Lüge (1967, DDT Residues in an East Coast Estuary, Science 156, S.821) richtig gestellt habe, meinte er nur Ich hatte nicht das Gefühl, daß das notwendig wäre Hearings S. 7238. Opinion of the Administration, Consolidated DDT Hearings aaO. am June 2. 1972.
    • W Ruckelshaus, 1970, Brief for the Respondents, US Court of Appeals for the District of Columbia Circuit, Nr. 23813, on Petition for Review on an Order of the Secretary of Agriculture, am 31. 8.
    • Deutscher Bundestag 6. Wahlperiode, 154.Sitzung, 2.12 1971 WWF, 1998, Resolving the DDT dilemma: protecting biodiversity and human health. Toronto WWF Canada.
    • WHO, 1992, World health statistics annual, WHO Genf, 17, S. 349ff.
    • T Kenworth, 1999, A pesticide balancing act: Farmers fear loss of weapons against pests. The Washington Post, 2. 8. A 1 und A 8
    • Vgl. „The Genocidal Roots of Bushs New World Order“ EIR Special Report, Washington DC Mai 1992. S 53 ff.
    • MA Farid ,1991, Views and reflections on antimalaria programmes in the world. Kaosiung J. Med. Sci. 7 S. 243ff, auch Mouchet et al. 1997, aaO.
    • WHO, 1993, Implementation of the global malaria control straegy, WHO Tech. Rep. Ser. Nr. 839
    • MC Thomson, SJ Connor et al., 1999, Predicting malaria infection in Gambian children from satellite data and bet net use surveys : the importance of spatial correlation in the interpretation of results. Amer. J. Trop. Med. Hyg. 61 S. 2 ff und auch, HM Gilles, DA Warrell, 1993, Bruce-Chwatts essential malariology, Boston Ed.Arnold.
    1. »http://www.iea.org.uk/env/malaria.htm

    2007-01-17 11:51
    Name: Dr. Helmut Böttiger
    Email:boettigerdrh@web.de
    Homepage: »http://www.solidaritaet.com
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    Posted in Gesundheit | Kommentare deaktiviert für Malaria, wieder im Kommen

    Atomkraft: Ein teuer Irrweg. Die Mythen der Atomwirtschaft

    Posted by Rauch on 11th Januar 2007

    Broschüre des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BUM) vom März 2006

    „Atomkraft: Ein teuer Irrweg. Die Mythen der Atomwirtschaft“

    »http://www.bmu.de

    von Dr.Ludwig Lindner 11.1.2007

    Diese Broschüre wurde laut Impressum mit einer Auflage von 20.000 Stück erstellt und wird heute noch verteilt.
    Diese Broschüre enthält eine Reihe von Ungereimtheiten und Unwahrheiten, zu denen im Nachfolgenden Stellung genommen wird.

    Behauptung 1: Atomkraft ein teuer Irrweg:
    Antwort auf die gestellten Fragen:
    Sichert Atomkraft wirklich unsere Energieversorgung? Ja.

    Behauptung 3: die Vorräte reichen beim gegenwärtigen Verbrauch noch etwa 65 Jahre.
    Falsch: es sind mehrere 100 Jahre. Beim Uran gilt genauso wie beim Erdöl und Erdgas: mit wachsender Nachfrage und steigendem Preis rechnen sich auch noch Vorkommen mit geringerem Urangehalt. Bei Nutzung des Urans im Meerwasser und des Plutoniums, das in den Reaktoren gebildet wird, sowie des Thoriums sind es mehrere 1000 Jahre.

    Behauptung 4: Zukunftsfähig ist die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme
    Wir brauchen in Deutschland Grundlaststrom, der immer verfügbar ist für die Industrie, die Bahn, den öffentlichen Nahverkehr, Straßenbeleuchtung, Ampeln für die Haushalte, für Computer usw. Wir brauchen den Strom nach Bedarf und nicht in Abhängigkeit vom Wetter. Wasserkraft ist in Deutschland mit den vorhandenen Anlagen praktisch ausgereizt. Windkraftanlagen liefern Strom nur zu 17 % ihrer technischen Jahres-kapazität. Und die Sonne liefert auch tagsüber nur wenig Solarstrom. Biomasse und Erdwärme zur Stromerzeugung sind nur Nischentechnologien.

    Behauptung 5: Atomkraftwerke schaffen keine Versorgungssicherheit, sondern verhindern Investitionen in moderne effiziente Kraftwerke.
    Falsch: Kernkraftwerke und Braunkohlekraftwerke sichern die Grundlast und sorgen dafür, daß die Verbraucher immer Strom nach ihrem Bedarf haben (siehe auch Punkt 4) Trotz der laufenden Kernkraftwerke werden hocheffektive Kohlekraftwerke mit einem Wirkungsgrad von etwa 50 % und Gas- und Dampfkraftwerke (GUD) mit einem Wirkungsgrad von ca.58 % gebaut.

    Behauptung 6: Energiemix der Zukunft: Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Energieeinsparung: das sind wesentlichen Eckpunkte einer modernen Energieversorgung
    Falsch: Erneuerbare Energien sind additive Energien, aber nicht geeignet für die grundsätzliche Energieversorgung in der Grundlast (rund-um-die-Uhr), wie es die Kernkraft bietet (siehe Punkt 4 und 5). Energieeffizienz und Energieeinsparung sind Tugenden, die bisher schon gelten und eigentlich selbstverständlich.

    Behauptung 7: 30 bis 40 % des Energieverbrauches der Industrie könnten zu wirtschaftlichen Bedingungen eingespart werden.
    Das ist Utopie. Wenn sich etwas rechnet, dann realisiert das die Industrie ohnehin. Bei steigenden Energiepreisen führt die Industrie aus eigenem Interesse Energieeinsparungen durch, soweit sie sich rechnen. Die größte Energiesparaktion in unserem Lande mit CO2-Reduktion war der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft – Ergebnis sind 20% Arbeitslosigkeit – das ist gerade nicht erstrebenswert.

    Behauptung 8: Kohlendioxidfreie Gas- und Steinkohlekraftwerke als modernste Technologie.
    Das ist wirtschaftlicher Unsinn, da erheblicher Wirkungsgradverlust die Folge ist. Und wohin mit den großen Mengen des erstickend wirkenden Kohlendioxid?

    Behauptung 9: Atomkraftwerke haben nur einen Wirkungsgrad von 35 %.
    Stimmt. Weil bisher die Abwärme nur in den seltensten Fällen genutzt wird. Aber die Kraft-Wärme-Kopplung ist beim Kernkraftwerk genauso möglich wie bei fossilen Kraftwerken, wie viele Beispiele zeigen: Beim stillgelegten Kernkraftwerk Stade wurde die Abwärme für eine Saline genutzt, vom ehemaligen Kernkraftwerk Lubmin wurde die Stadt Greifswald mit Fernwärme versorgt.
    In der Schweiz werden aus den Kernkraftwerken Beznau 1 und 2 und Gösgen das Fernwärmesystem Refuna und die Kartonfabrik Kani versorgt.
    Die Nutzung der Abwärme setzt voraus, daß möglichst ein Großverbraucher mit möglichst gleichbleibender Wärmeabnahme vorhanden ist.

    Behauptung 10: Rechnen sich neue Atomkraftwerke?
    Ja. Das neue Kernkraftwerk Olkiluoto 3 produziert den Strom für 2,4 cts/kWh. Dabei betragen die Kapitalkosten 1,4 cts/kWh. Das ist möglich durch die Betriebszeit von 60 Jahren.

    Behauptung 11: Atomkraftwerke haben nur wenige Beschäftigte
    Richtig: daher können die Großanlagen billigen Strom erzeugen, wie er für die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft erforderlich ist.

    Behauptung 12: Erneuerbare Energien lösen einen Schub für Arbeitsplätze aus,2004 157.00 Menschen, durch Gebäudesanierung 250.000 gesicherte oder neue Arbeitsplätze.
    Das sind Potemkinsche Dörfer. Dies ist nur eine Folge der massiven Subventionen durch das Erneuerbare Energie Gesetz EEG zu Lasten der Volkswirtschaft. Der frühere Bundeswirtschaftsminister hat bereits 2002 errechnen lassen, daß die Belastung der Volkswirtschaft durch die Erneuerbaren Energien sich bis 2020 auf 250 Mrd Euro belaufen werden.

    Behauptung 13: Atomkraftwerke schützen nicht das Klima
    Falsch! Bei der Kernspaltung von Uran wird kein Kohlendioxid freigesetzt.
    Für die Herstellung von Kernbrennstoff, Stahl, Beton usw. wird natürlich Energie verbraucht und dabei auch Kohlendioxid freigesetzt, wie bei Solar- und Windanlagen auch.
    Deshalb sollte sich der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit für den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke einsetzen, die pro Jahr 160 Mill. t CO2-Emission einsparen.

    Frage 14: Sollten deutsche Kernkraftwerke nicht doch etwas länger laufen, angesichts ihrer Sicherheit?
    Die Broschüre sagt : Nein. Denn die ältesten und damit unsichersten Kandidaten sollten gemäß Ausstiegsvereinbarung zuerst abgeschaltet werden. Eine Laufzeitvereinbarung ist nicht zu verantworten.
    Hier wird der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit seiner Aufgabe und Verantwortung nicht gerecht. Wenn die Kernkraftwerke weiter betrieben werden, wie bisher, dann sind sie sicher. Sonst müßten sie abgeschaltet werden. Die Sicherheit hat mit dem Alter der Anlage nichts zu tun, denn da in der Sicherheit ständig nachgerüstet wird, können sogar ältere Anlagen sicherer als neue sein, wie das Beispiel Biblis zeigt.

    Frage 15: Kann die Laufzeit der ältesten Atomkraftwerke überhaupt verlängert werden?
    Nach dem geltenden Atomgesetz erfordert dies die Zustimmung von Bundesumwelt-minister, Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzlerin. Der Bundesumweltminister entscheidet nicht alleine.
    Wenn das Atomausstiegsgesetz an die modernen Gegebenheiten angepaßt wird (wie es EnBW Chef Claassen fordert) können die Laufzeiten neu vereinbart werden.

    Behauptung 16: eine Laufzeitverlängerung ist nicht notwendig, um auf erneuerbare Energien umzusteigen.
    Dem widersprechen zahlreiche renommierte SPD-Mitglieder, wie z. B. Prof. Vahrenholt Vorstandsvorsitzender des Windanlagenherstellers Repower. Weitere renommierte Persönlichkeiten halten den Atomausstieg generell für falsch bzw. empfehlen einen Aufschub wie die Umweltschützer James Loveslock, Hugh Montefiori (früheres Vorstandsmitglied bei Friends of the Earth) und Patrick Moore (früherer Greenpeace-Chef), weitere renommierte Persönlichkeiten in der SPD, wie der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der frühere NRW-Ministerpräsident und frühere Bundes-Wirtschafts-minister Wolfgang Clement, Hubertus Schmoldt Vorsitzender der IG BCE und Prof. Rolf Linkohr, Ehrenpräsident des Europäischen Energieforums ebenso wie viele Industrieverbände, Professoren und Gewerkschaften.

    Facit: Es ist nicht vertretbar, daß der für die Reaktorsicherheit zuständige Bundesumweltminister Gabriel eine derartige Broschüre mit unsachlichen und falschen Aussagen verfassen läßt. Der Bundesumweltminister sollte vielmehr in seiner Verantwortung als zuständiger Minister dafür sorgen, daß das Moratorium für Gorleben aufgehoben und die Weiterführung von Gorleben durchgeführt wird.
    Als gewählter Volksvertreter muß er sich auch dafür einsetzen, daß Schaden vom deutschen Volke abgewendet wird. Das kann er tun, indem er eine realistische Politik betreibt und für die deutschen Kernkraftwerke eine Laufzeitverlängerung durchsetzt, die den technischen Gegebenheiten Rechnung trägt und indem er nicht ideologischen oder formaljuristischen Vorgaben folgt. Dazu gehört auch eine Behandlung der sog. Erneuerbaren Energien nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten statt nach ideologischen Gesichtspunkten. Das erfordert konkret eine Anpassung des Erneuerbaren Energie-Gesetzes an die Wirtschaftlichkeit.


    2007-01-25 10:40
    Dr.Ludwig Lindner
    Emslandstr.5
    45770 Marl
    Tel+Fax:0049-2365-3572
    Email: Ludwig_Lindner@t-online.de
    Homepage: »http://www.buerger-fuer-technik.de

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    Leserbrief zu FTD1 vom 2.1.2007 zu: „Gasprom und Weißrussland legen Gastreit bei“.

    Posted by Rauch on 2nd Januar 2007

    Die Einigung zwischen dem russischen Energiekonzern Gazprom und der weißrussische Regierung auf einen neuen Erdgaspreis von 100 $ je 1000 Kubikmeter gegenüber bisher 47 $ mit einer Laufzeit bis 2011 wirkt zunächst auch für uns beruhigend. Vielfach sind bei uns die Vergleichswerte zu unseren Energieeinkaufspreisen nicht so sehr im Bewusstsein. Der Ausgangspreis von 47 $ / m3 entspricht 0,41 Ct / kWh und der neue Preis von 100 $ / m3 entspricht 0,80 Ct / kWh. Wir sind da einen ganz anderen Einkaufspreis aus Russland gewöhnt, der zurzeit bei 2,5 Ct / kWh liegt, also bereits dreimal so hoch wie der neue dortige Einigungspreis. Angesichts der politischen Bestrebungen, insbesondere von „politisch Grüner Seite“, in unserem Land die Kernkraftwerke stillzulegen und die Kohlestromerzeugung ebenfalls einzuschränken oder „noch besser“ aufzugeben, mag wohl jedem Aufgehen, dass wir damit geradewegs auf ein Energiedesaster zusteuern würden. Jede Wegnahme eines Energieträgers aus dem Erzeugungsmix verteuert ganz automatisch die verbleibenden Energieträger, dies ist zwar eine Binsenweisheit, aber vielen Politikern wohl nicht immer klar. Jede neue Erdgasheizung bezieht derzeit ihr Gas zu hundert Prozent aus Russland und dies kann sich nach Lage der Dinge auch nicht mehr ändern, solange es Erdgasheizungen gibt. Gegenüber den Holz-Pelletheizungen mit Brennstoffkosten von 3,9 Ct / kWh, Windstromerzeugung zu 9 Ct / kWh oder gar Sonnenstromerzeugung zu über 50 Ct / kWh sind die 2,5 Ct / kWh für russisches Erdgas jedoch noch eher ein Geschenk des Himmels.

    Es bleibt daher zu hoffen, dass unsere verehrte Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, im Zuge unserer EU Präsidentschaft nach dem Vorbild aller übrigen EU-Länder und – in Übereinstimmung mit ihrer persönlichen Überzeugung als Physikerin – den Mut aufbringt, den überkommenden Ausstiegsbeschluss der Rot / Grünen Vorjängerregierung schlicht und einfach zu ignorieren und zur friedlichen Nutzung der Kernenergie auf höchstem technischen, Maßstabgebendem Sicherheitsniveau zum Nutzen unseres Landes wieder zurückfindet.

    Prof. Dr.-Ing. Helmut Alt
    FH Aachen
    Eichelhäherweg 6
    52078 Aachen
    Tel.: 0241/520108
    helmut.alt@fh-aachen.de

    1 Financial Times Deutschland FTD, Redaktion „Leserbriefe“, Stubbenhuk 3, 20459 Hamburg

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